KIRCHE AM ORT - KIRCHE AN VIELEN ORTEN GESTALTEN

Exerzitien im Alltag

"Exerzitien im Alltag in der Gemeinde" sind spirituelle Übungen, die über 4 bis 5 Wochen hinweg mitten im Alltag durchgeführt werden.

Sie sind ein Angebot für Interessierte (Ehrenamtliche und/oder Hauptberufliche) aus einer Kirchengemeinde, einer Seelsorgeeinheit oder eines Dekanats. Auf Anfrage können Exerzitien im Alltag auch für eine feste Gruppe angeboten werden (Kirchengemeinderat, Pastoralteam, Team der hauptberuflichen pastoralen Dienste einer Gemeinde...).

Sie sollen den Einzelnen helfen, Gott im Ablauf des Tages zu finden, ihm Raum zu geben und in eine tiefere Beziehung zu ihm hineinzuwachsen.  Stille, Lebensbetrachtung, Schriftmeditation und Gebet können einen geistliche Orientierung vermitteln, die das eigene Wirken in  Beruf, Familie und Gemeinde in einem anderen Licht deutet und neu ausrichtet.

Exerzitien im Alltag können auch den Gemeinden, Seelsorgeeinheiten oder Dekanaten helfen, sich im gemeinsamen Suchen und gegenseitigen Mitteilen zu erfahren als Kirche, die bei allen pastoralen Aktivitäten die Beziehung zu Gott und die Offenheit für die Sorgen der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Leben und Glauben werden zusammen erfahren, denn die Exerzitien sind „mitten im Leben“; die alltägliche Wirklichkeit wird zum spirituellen Weg der Gemeinde.

Gestaltung

Elemente der Exerzitien im Alltag sind

  • Einführungstreffen
    Die TN  lernen den Weg der Exerzitien im Alltag kennen und gehen bereits erste Schritte. Am Ende steht die Entscheidung, ob man den Exerzitienweg mitgehen möchte.
  • Tägliche persönliche Gebetszeit
    Nach vorgegebener Anleitung eine Gebetszeit am Morgen und ein Tagesrückblick am Abend.
  • Wöchentliche Gruppentreffen
    Zwei ausgebildete Begleiter/innen leiten diese Austauschrunde mit Impulsreferat und Vertiefung des Themas für die kommende Woche.
  • Nachtreffen
    Ein letztes Treffen der Gesamtgruppe mit Rückblick auf den gemeinsamen Weg und (liturgischen) Feierelementen schließt die Exerzitien im Alltag in der Gemeinde ab.

Unser Angebot


Der Fachbereich Spiritualität und Exerzitien bietet eine detaillierte Beratung über den Weg der Exerzitien im Alltag und die Schritte der Durchführung in der Gemeinde.

Wir vermitteln ferner zwei Moderatoren/innen, die das Angebot in der Gemeinde durchführen, und stellen das erforderliche Material bereit. Diese Moderatoren/innen sind zur Begleitung dieses Exerzitienweges durch eine Ausbildung der Diözese befähigt und erhalten ihr Honorar von der Diözese.

In größeren Abständen bietet der Fachbereich für hauptberufliche pastorale  Dienste und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen mit entsprechender Vorerfahrung eine Ausbildung zum/zur Begleiter/in für Exerzitien im Alltag an. Inhalte und Termine erfahren Sie über den Fachbereich.

... hier geht's zur Bestellliste der Materialien für Exerzitien im Alltag:

Modelle

Das Rottenburger Modell "Gott in allem finden"

1. Woche: In meinem Innern
Gott ist nicht nur außerhalb von uns erfahrbar, er ist auch in jedem Menschen zu finden; Gott ist in mir, ist mir näher, als ich mir selbst bin. Deshalb wird in dieser ersten Woche geübt, die inneren Regungen und Empfindungen wahrzunehmen und anzunehmen, die Sehnsucht nach Gott in sich zu entdecken.

2. Woche: In seinem Wort
Die Worte der Bibel haben auch Gültigkeit für uns heute. Darum ist die Intention der zweiten Woche, an diese Erfahrungen Anschluss zu finden, mit dem Wort eigene Erfahrungen zu machen und zu spüren, dass Gott sich ausspricht im Wort der Schrift und uns darin begegnen kann.

3. Woche: In meiner Geschichte
In der dritten Woche soll versucht werden, im Nachsinnen der eigenen Lebensgeschichte diese als Geschichte Gottes mit jeder/ jedem Einzelnen zu entdecken; den „roten Faden“ im Leben erkennen, die heilvollen und unheilvollen Ereignisse anschauen lernen und darin erkennen, dass Gott das Heil will für uns Menschen.

4. Woche: In meinem Alltag
Es gibt nichts ohne Gott, auch unser Alltag ist nicht gottlos mit all seinen Banalitäten. In dieser Woche geht es darum, das Hören zu üben, wie Gott sich mitteilt im scheinbar Banalen und Gewöhnlichen.

5. Woche: In meinen Mitmenschen
Es gibt keinen Menschen, dem Gott nicht zugetan wäre, und es kann jeder Mensch auf seine Weise zum Ort der Gottesbegegnung werden, wenn wir uns prägen lassen von der Haltung und Gesinnung Jesu mit anderen Menschen umzugehen, sie zu achten und ihnen zu begegnen. Das zu üben, ist das Ziel dieser fünften Woche.

 

Das Würzburger Modell "Gib mir ein hörendes Herz"

1. Woche: Die Stille suchen
Die Gebetszeiten in dieser Woche sind der Stille gewidmet: Stille als Raum, in dem sich unser inneres Ohr öffnen kann für die Gegenwart Gottes und unser Herz bereit wird für sein Wirken in uns. Solche „Stille“ besteht nicht in erster Linie in der Abwesenheit von Geräuschen. Stille ist vor allem eine innere Haltung: eine Haltung, in der ich loslasse, in der ich nicht etwas mache, sondern empfänglich bin und geschehen lasse.

2. Woche: wahrnehmen lernen
Geistliches Leben schließt unsere Sinne wie Hören, Sehen, Fühlen usw. nicht aus, sondern ein. In der „Pfingstsequenz“ findet sich die Bitte: „Entzünde unserer Sinne Licht ...“. Dies drückt die Erfahrung aus, dass auch die Sinneswahrnehmung ein „Einfallstor“ des Heiligen Geistes ist und zu Gottes Wirklichkeit führen kann. Die Wahrnehmung mit den Sinnen bringt mich in Kontakt zur Realität, zur Wirklichkeit. Sie hilft, wirklich bei mir zu sein und ganz bei dem zu sein, was ich tue. Sie schafft eine Verbindung mit der Gegenwart, die letztlich die Gegenwart Gottes ist.

3. Woche: achtsam werden
Der Übungsweg in dieser Woche richtet sich auf die „inneren Sinne“. Er besteht aus Übungen, die zu mehr Achtsamkeit führen wollen. Achtsamkeit ist eine Grundhaltung, die sensibel macht für „innere Bewegungen“, für die Regungen des eigenen Herzens. Wahrzunehmen, was sich in mir regt, ist der wichtigste Schritt, um zu erkennen, was mehr zum Leben und zu Gott führt oder aber davon abbringt. Es geht um das Einüben einer Sensibilität für sich selbst, für das, was mich mit Gottes Gegenwart verbindet. Diese „Unterscheidung der Geister“ (Ignatius) ist das eigentliche Ziel solcher Übungen zur Achtsamkeit.

4. Woche: mit hörendem Herzen
Jede/r kennt die Erfahrung, manchmal ganz unerwartet von etwas innerlich angesprochen zu sein: Ein Kalenderspruch geht mir nicht mehr aus dem Sinn, ein Bild löst eine Traurigkeit oder Sehnsucht in mir aus, eine Filmszene rührt eine verborgene Frage in meinem Leben an ... All dies sind Situationen, die mein Herz „hörend“ werden lassen: hörend auf das, was mir begegnet, auf mich selbst und mein Inneres, auf Gott. Solches „Hören“ ist kein „Nachdenken-über...“ oder „Mich-Auseinandersetzen-mit...“. Es ist weniger ein Tun als ein Wahrnehmen, ein Dasein-Lassen und Verweilen bei dem, was sich in mir regt.

 

 Anleitung zur Stille